Seit 1986 wird während der Berlinale ein stilistisch und thematisch innovativer Film aus dem Programm des Berlinale Forum mit dem Caligari-Filmpreis ausgezeichnet. Die 41. Preisverleihung findet am 20. Februar 2026 statt

Der von den Kommunalen Kinos und den Kooperationspartnern filmfriend und Gofilex ausgelobte Preis ist mit 4.000 Euro dotiert.


Der Preisträger/die Preisträgerin erhält die Hälfte des Betrages, 2.000 Euro werden für Werbemaßnahmen verwendet, um weitere Kinoaufführungen in Deutschland zu unterstützen, u.A. in Form einer Filmtournee durch kommunale Kinos. Medienpartner des Preises ist das Portal filmdienst.de.

Auf filmfriend.de sind Caligari-Preisträger, weitere Filme von Filmschaffenden, die den Caligari-Filmpreis erhielten, sowie ein Doku-Porträt über Erika und Ulrich Gregor – die Gründer des Berlinale-Forums verfügbar.

Die Caligari-Jury 2026

Jonas Helmerichs
schreibt über Filme, dreht auch welche. Seit 2024 ehrenamtlich im Kino im Sprengel in Hannover engagiert. Dort mitverantwortlich für die monatliche Genrefilmreihe Filmklub Daria. Neben dem Studium der Kulturwissenschaften Underground-Filmemacher:in, Filmkritiker:in und Moderator:in. 

Marlene Hofmann
Studentin im Masterstudiengang Filmkultur der Goethe-Uni Frankfurt. Mitarbeit in der Koordination des Studiengangs sowie im
universitätsinternen Filmarchiv. Tätig im Filmhaus Nürnberg und dem Filmverleih Grandfilm.
Engagiert in der Programmplanung des Nürnberg International Human Rights Film
Festivals
(NIHRFF)
, der Film- und Kunstvermittlung sowie der Filmkuratierung.


Moritz Mutter
Leiter der Digitalen Angebote des Verbunds der Öffentlichen Bibliotheken Berlins (VÖBB), der 2017 als erste deutsche Bibliothek das Filmportal Filmfriend in den Online-Bestand aufnahm. 2018 folgte das Kurzfilmportal AVA

Preisträger 2025

Fwends


von Sophie Somerville

Buch: Sophie Somerville, Emmanuelle Mattana
Kamera: Carter Looker
Musik: Mike Tilbrook
Mit: Emmanuelle Mattana, Melissa Gan.
AUS 2025, 92 Min.

Jurybegründung

Wir erleben die Zunahme und Komplexität globaler Krisen. Die wirken sich negativ auf unsere zwischenmenschlichen Beziehungen aus und darauf, wie wir Kunst machen. Ebenso erleben wir immer mehr, wie Fronten sich verhärten, Menschen sich einsam fühlen und wie sich sogar in Freundschaften Gräben auftun. Anderen zuzuhören und verstehen zu wollen, was sie bewegt, ist lange keine Selbstverständ-lichkeit mehr.

Wir haben uns daher für einen Film entschieden, der ein Zeichen dafür setzt, wie wichtig es ist, hinzuhören und den Mut zu haben, sich zu öffnen und eigene Schwächen einzugestehen. Einem Film, der vor Humor und Leichtigkeit sprüht. Das Langfilmdebüt setzt auf heitere, erfüllende Momente ohne Eskapismus, auf Solidarität ohne Negativ-folien, und auf Vertrauen ohne Angst vor Risiken.

Im Kontext restriktiver Produktionsbedingungen, die er im Vertrauen auf kollektive Arbeitsweisen spielerisch und originell zu wenden versteht, wandert der Film zwischen ernsten Gesprächen und alberner Selbstvergessenenheit und zwischen präzisem Schauspiel und dokumen-tarischer Freiheit.

Auf diese Weise regt der Film zur Suche an: nach dem Besonderen im Einfachen, nach den Stärken in unseren Schwächen, nach dem Lockeren im Kontrollierten. Der Film ist lebhaftes Dokument eines spürbar lustvollen kreativen Prozesses, ist kosmo-politisches Selbstzeugnis der Ängste und Motivationen junger Frauen.
Eine für viele Menschen nicht selbstverständliche Bewegungs- und Meinungsfreiheit nutzt der Film, um Themen anzusprechen, die hinter den akuten politischen Konflikten oftmals zurücktreten, die aber unser menschliches Miteinander und das Verhältnis der beiden Hauptfiguren ausmachen.

Deren Bewegungen durch die Stadt strukturieren den Film. Sie sind dynamisch, rastlos und fließend und bewahren trotzdem ihren Fokus, öffnen Räume und sind bemerkenswert stringent montiert. In einem atemraubenden Tempo ziehen die improvisierten Gespräche uns in einen Strudel aus Zielstrebigkeit und Desorientierung, Klimawandel und psychischer Gesundheit, aus Nihilismus und Clowns-kostümen. Und alles innerhalb eines Übernach-tungsbesuchs.

Wir sind sehr dankbar, durch diesen Film eine mitreißende, seltene, lustige und kraftvolle Freundschaft unter Frauen erleben zu dürfen, auf der Leinwand und im Filmteam. Deshalb verleihen wir den diesjährigen Caligari-Filmpreis an den Film FWENDS.

► Jurybegründung in Englisch


We are experiencing the increase and complexity of global crises. They are having a negative impact on our interpersonal relationships and on how we make art. We are also seeing more and more fronts hardening, people feeling lonely and rifts opening up even in friendships. Listening to others and understanding what drives them can no longer be taken for granted.

We have therefore chosen a film that sets an example of how important it is to listen to each other and have the courage to open up and admit your own weaknesses. A film that sparkles with humour and lightness. The debut feature film focuses on cheerful moments without escapism, on solidarity without drawing a negative contrast, and on the power of trust without fear of any risk. In a playful and original way, the film manages to turn around restrictive production conditions by relying on collective working methods. In this context, it wanders between serious conversations and silly self-forgetfulness, between precise acting and documentary open-endedness.

In this way, the film encourages us to go on a search: for the special in the simple, for the strengths in our weaknesses, for freedoms in the controlled. The film is a vivid document of a tangibly pleasurable creative process, a cosmopolitan testimony to the fears and motivations of young women.

Freedom of movement and freedom of opinion that cannot be taken for granted by many people are the film’s starting point to address issues which often take a back seat to acute political conflicts, which however define both our human interaction and the relationship between the two main characters. Their rambles through the city of Melbourne structure the film. They are dynamic, restless and free-flowing, yet retain their focus, open up spaces and are edited in a remarkably stringent way. At a breathtaking pace, the improvised conversations draw us into a maelstrom of single-mindedness and disorientation, climate change and mental health, nihilism and clown costumes. And all within the space of an overnight visit.

We feel very honored for having experienced such a rousing, rare, funny and powerful friendship between women through this film, on the screen and in the film team. The Caligari Film Prize 2025 goes thus to the film FWENDS.

► Zur Person Sophie Somerville

Sophie Somerville ist eine in Melbourne ansässige australische Autorin, Regisseurin und Redakteurin. Ihre Kurzfilme wurden auf Festivals auf der ganzen Welt gezeigt, darunter das Telluride Film Festival und das London Short Film Festival. Ihre Filme haben beim Sydney Film Festival den Dendy Award für den besten Live-Action-Kurzfilm (Peeps, 2021) und den Rouben Mamoulian Award für die beste Regie (linda 4 eva, 2023) gewonnen. Im Jahr 2023 nahm sie am Melbourne International Film Festival Accelerator Lab für aufstrebende australische und neuseeländische Regisseur*innen teil. © Berlinale

Weitere Infos in unserer Pressemitteilung

Liste der Preisträger:

JahrTitelDt. VerleihtitelDt. VerleihRegieLand
2025FwendsSophie SomervilleAustralien
2024Shahid Schmidbauer FilmNarges KalhorDeutschland
2023De Facto  Selma DoboracÖsterreich / Deutschland
2022Geographies of Solitude Arsenal-Institut für Film und Videokunst BerlinJacquelyn MillsKanada
2021A River Runs, Turns, Erases, Replaces Arsenal-InstitutShengze ZhuUSA
2020Victoria Arsenal-InstitutSofie Benoot, Liesbeth De Ceulaer und Isabelle TollenaereBelgien
2019Heimat ist ein Raum aus Zeit GMFilmsThomas HeiseDeutschland
2018La Casa Lobo Arsenal-InstitutCristóbal León, Joaquín CociñaChile
2017El mar la mar Arsenal-InstitutJoshua Bonnetta, J.P.SniadeckiUSA
2016Akher ayam el madina (In the Last Days of the City) Wolf Kino / Arsenal-InstitutTamer El SaidÄgypten u.a.
2015Balikbayan #1 Memories of Overdevelopment Redux III Arsenal-InstitutKidlat TahimikPhilippinen
2014Das Grosse Museum RealfictionJohannes HolzhausenÖsterreich
2013Hélio Oiticica Arsenal-InstitutCesar Oiticica FilhoBrasilien
2012Tepenin Ardı (Beyond the Hill) Arsenal-InstitutEmin AlperTürkei / Griechenland
2011The Ballad of Genesis and Lady Jaye Arsenal-Institut (Neue Pegasos)Marie LosierUSA u.a.
2010La bocca del lupo Arsenal-InstitutPietro MarcelloItalien
2009Ai No MukidashiLove ExposureRapid Eye MoviesSion SonoJapan
2008Tirador Brillante MendozaPhilippinen
2007Kurz davor ist es passiertKurz davor ist es passiertFilmgalerie 451Anja SalomonowitzÖsterreich
200637 Uses for a Dead Sheep37 Arten ein Schaf zu nutzenPiffl MedienBen HopkinsGroßbritannien
2005Niu Pi Oxhide  Liu Jia YinChina
2004Dopo MezzanotteDie zweite Hälfte der NachtKairos FilmverleihDavide FerrarioItalien
2003SaltSaltArsenal-Institut vorm. Freunde der Deutschen KinemathekBradley Rust GrayIsland/USA
2002Un Día de SuerteEin GlückstagKairos FilmverleihSandra GugliottaArgentinien
2001Crónica de un desayunoChronik eines FrühstücksArsenal-Institut vorm. Freunde der Deutschen KinemathekBenjamin CannMexiko
2000I Earini synaxis ton agrofylakonDas Frühlingstreffen der FeldhüterKairos FilmverleihDimos AvdeliodisGriechenland
1999Viehjud LeviViehjud LeviArsenal FilmverleihDidi DanquartDeutschland
1998KasabaDie KleinstadtArsenal-Institut vorm. Freunde der Deutschen KinemathekNuri Bilge CeylanTürkei
1997Nobody’s BusinessNobody’s BusinessVentura FilmAlan BerlinerUSA
1996Charms ZwischenfälleCharms ZwischenfälleVentura FilmMichael KreihslÖsterreich
1995*MadagascarMadagascar Fernando PérezCuba
1995*Complaints of a Dutiful DaughterKlagen einer pflichtbewußten Tochter Deborah HoffmanUSA
*1995 zwei Preisträger
1994SátántangóSátántangó Béla TarrUngarn
1993Anlian taohua yuanDas Land der Pfirsichblüte Stan LaiTaiwan
1992SwoonSwoon Tom KalinUSA
1991All the Vermeers in New YorkAll‘ die Vermeers in New York Jon JostUSA
1990UntamagiruUntamagiru Go TakamineJapan
1989SamaDie Spur Néjia Ben MabroukTunesien
1988Nagunenun gilesodo schizi annundaDer Mann mit den drei Särgen Lee Chang-HoKorea
1987Yuki yukite shingunVorwärts, Armee Gottes! Kazuo HaraJapan
1986ShoahShoahArsenal-Institut vorm. Freunde der Deutschen KinemathekClaude LanzmannFrankreich