„Film kann uns im Alltäglichen das Besondere zeigen und in dem eigentlich Unscheinbaren, das er inszeniert, auch noch ein Stückchen Utopie vermitteln, was sein könnte oder was ganz anders werden müßte, damit die Menschheit humaner weiterleben kann.“ (Hilmar Hoffmann: Kultur für Alle, 1979)

Die kommunalen Kinos in Deutschland trauern um einen ihrer wichtigsten Vordenker und Gründerväter:

Hilmar Hoffmann (25.08.1925 – 01.06.2018)

Hilmar Hoffmann

© 2013 Cornelia Klauß

Hilmar Hoffmann setzte Anfang der 1970er Jahre als Frankfurter Kulturdezernent die Idee der modernen Kommunalen Kinos bei der Politik so überzeugend durch, dass dem Frankfurter Beispiel viele Kommunen folgten. Nur wer sich in der Kulturpolitik für Kino engagiert, kann ermessen, was für ein Meilenstein ihm dabei gelungen ist. In Frankfurt erreichte er die Einrichtung eines beispielgebenden Kommunalen Kinos und ein Grundsatzurteil, das bis heute gültig ist: das sogenannte „Frankfurter Urteil“. Dieses besagt, dass neben den traditionell anerkannten öffentlichen kulturellen Einrichtungen wie Theater, Konzerthaus, Museum, Bibliothek auch das Kino ein Träger von Kulturgut sei und deshalb zur öffentlichen Förderung berechtigt. Außerdem stellt es fest, dass kommunale Kinos keine Konkurrenz zu kommerziellen Kinos seien, sondern für ein alternatives Kino mit kulturellem Anspruch stünden. Seit 1970 wurden in Deutschland über 150 kommunale Kinos gegründet. Sie bieten Filmen und KünstlerInnen aus der ganzen Welt und aus der gesamten Film- und Kunstgeschichte ein Forum für die Begegnung mit einem Publikum aus allen Bevölkerungsschichten und sind heute die kreativen Vordenker für neue Formen des Kinos. Hilmar Hoffmann wusste, dass sich kommunale Kinos auch im digitalen Zeitalter weiterentwickeln können, wenn sie nicht steigenden kommerziellen Erfolgszwängen ausgeliefert werden, und dass eine Bevölkerung, die täglich mit Tausenden von bewegten Bildern bombardiert wird, während sie in der Schule noch nicht einmal ansatzweise die Bildsprache erlernen konnte, solch ein Kino mehr braucht denn je. Er unterstützte die kommunalen Kinos als Kuratoriumsmitglied bis zuletzt.

Wir danken einem der ganz Großen des deutschen Kinos.


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„Die Frage ist letzten Endes, ob man überhaupt für kommende Generationen einen Begriff von Kinokultur aufrechterhalten will, der multikulturell, spezifisch und differenziert ist. Wenn man ein Kino will, das den Blick in die Welt und in die Geschichte offenhält, braucht man mehr denn je die Kommunalen Kinos.“
Wim Wenders, Regisseur

Der Bundesverband kommunale Filmarbeit e.V. ist der Verband der Kommunalen Kinos, nicht-kommerziellen Filmtheater, studentischen Filmclubs und filmkulturellen Initiativen und Einrichtungen in Deutschland. In ihm haben sich über 140 Mitglieder zu einem Netzwerk der Filmkultur zusammengeschlossen. Der Sitz des Verbandes und die Geschäftsstelle befindet sich in Frankfurt am Main.