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Verleih: Deutscher Kurzfilmpreis unterwegs Cool & Crazy II Auf der anderen Seite der Leinwand Jong'r Menschliches Versagen Irène Schweizer Namibia Crossings Hard Goodbyes: My Father Der unbekannte Orson Welles Dollar Mambo Vom "Grand Café" zu "Griffith" Sehnsucht nach Bitterfeld Hanna Monster, Liebling Amazonia Hollywood on trial - Hollywood vor Gericht Käpt'n Knödl im Dreck Filmland Georgien
Programm 1 Einerseits: Ungestüm
Wagah
Regie: Supriyo Sen • Dokumentarfilm • 13min
Der einzige Grenzübergang zwischen Indien und Pakistan ist jeden Abend Schauplatz eines einzigartigen Spektakels.
Deutscher Kurzfilmpreis in Gold in der Kategorie
»Dokumentarfilme mit einer Laufzeit bis 30 Minuten«
Wüste/Aussen/Tag
Regie: Mia Grau • Spielfilm • 30min
Film im Film – in Cinemascope: Zwei Schauspieler lernen sich bei Dreharbeiten kennen und verbringen einen spannungsreichen drehfreien Tag miteinander.
Nominierung Deutscher Kurzfilmpreis in der Kategorie »Spielfilme mit einer Laufzeit von mehr als sieben bis 30 Minuten«
Kokon
Regie: Till Kleinert • Spielfilm • 7min
Ein Teenager lässt sich die Haare schneiden. Wer verbirgt sich hinter der Matte?
Deutscher Kurzfilmpreis in Gold in der Kategorie »Spielfilme mit einer Laufzeit bis sieben Minuten«
Polar
Regie: Michael Koch • Spielfilm • 29min
Luis sieht nach Jahren seinen Vater wieder. Er wird mit einer neuen Frau und einem Halbbruder konfrontiert und treibt einen unausgesprochenen Konflikt auf die Spitze.
Deutscher Kurzfilmpreis in Gold in der Kategorie »Spielfilme mit einer Laufzeit von mehr als sieben bis 30 Minuten«
Der Conny ihr Ponny
Regie: Robert Pohle • Martin Hentze, Experimentelle Animation • 5min
Die elfjährige Conny bekommt ihr viel zu großs Pony nicht in den Linienbus hinein. Hätte sie sich doch einen Löwen oder einen Bären gewünscht!
Nominierung Deutscher Kurzfilmpreis in der Kategorie »Animations-/Experimentalfilme mit einer Laufzeit bis 30 Minuten«
Programm 2 Andererseits: Betörend
Fliegen
Regie: Piotr J. Lewandowski • Spielfilm • 26min
Die Filmstudentin Sarah interessiert sich für Dima, dem die Abschiebung aus Deutschland droht. Bald ist er mehr als nur das Objekt ihres Dokumentarfilms.
Nominierung Deutscher Kurzfilmpreis in der Kategorie »Spielfilme mit einer Laufzeit von mehr als sieben bis 30 Minuten«
Please Say Something
Regie: David OReilly • Animation • 10min
Die Geschichte einer schwierigen Beziehung zwischen einer hochemotionalen Katze und ihrem Mann, einem nervt&ooml;tenden Mäuserich.
Deutscher Kurzfilmpreis in Gold in der Kategorie »Animations-/Experimentalfilme mit einer Laufzeit bis 30 Minuten«
Birthday
Regie: Andrzej Król • Spielfilm • 16min
Verschwommene Erinnerung: Ein Familienvater wollte seinem Kind ein Fahrrad schenken – was kam eigentlich dazwischen in jener Nacht?
Nominierung Deutscher Kurzfilmpreis in der Kategorie »Spielfilme mit einer Laufzeit von mehr als sieben bis 30 Minuten«
Radfahrer
Regie: Marc Thümmler • Dokumentarfilm • 28min
Ein Fotofilm mit Bildern des Fotografen Harald Hauswald und Texten aus den Protokollen seiner Überwachung durch die Stasi.
Nominierung Deutscher Kurzfilmpreis in der Kategorie »Dokumentarfilme mit einer Laufzeit bis 30 Minuten«
Antje und wir
Regie: Felix Stienz • Spielfilm • 12min
»Boah. Sie sah bombig aus, also sah total gut aus. Da hab ich sie das erste Mal gesehen und ich dachte: eigentlich wie im Film.« Acht junge Menschen erzählen von der Begegnung mit Antje.
Nominierung Deutscher Kurzfilmpreis in der Kategorie »Spielfilme mit einer Laufzeit von mehr als sieben bis 30 Minuten«
Sonderpreis
Die Haushaltshilfe
Regie: Anna Hoffmann • Dokumentarfilm • 60min
Lore (75) und Max (87) haben eine junge Slowakin engagiert, die ihnen im Alltag hilft. Lore zeigt sich mit der Zeit mehr und mehr als schwierige Hausherrin.
Sonderpreis Deutscher Kurzfilmpreis für Filme mit einer Laufzeit von mehr als 30 bis 78 Minuten
Der Bundesverband kommunale Filmarbeit präsentiert:
Schon zum zweiten Mal schickt der Bundesverband in Kooperation mit den Nordischen Filmtagen Lübeck eine Norwegische Filmreihe auf Tournee. Die vier Spielfilme sind noch bis Ende Juli in den Kommunalen Kinos zu sehen.
Die Rebellion von Kautokeino
Regie: Nils Gaup • Spielfilm 2008 • 35mm &bull 96 Min. • OmU
Ein grandioser „Schneewestern“ aus Norwegen, der vom Kampf der Samen gegen einen skuppellosen Schnapshändler und die ihn stützende Obrigkeit erzählt.
Gut 20 Jahre nachdem er mit seinem oscarnominierten Erstlingfilm „Pathfinder“ eine samische Legende verfilmte, greift Regisseur Nils Gaup – selbst ein Nachfahre der damals hingerichteten Aslak Hætta – nun einen authentischen Stoff der samischen Historie auf. Besetzt mit der ersten Riege skandinavischer Schauspieler, darunter Mikael Persbrandt („Kommissar Beck“) und Michael Nyqvist („Wie im Himmel“) ist mit „The Kautokeino Rebellion“ ein grandioser Schneewestern entstande, der in Anni-Kristina Juuso auch eine großartige Hauptdarstellerin besitzt. (Quelle: Katalog der Nordischen Filmtage Lübeck).
Mirush und sein Vater
Regie: Marius Holst • Spielfilm 2007 • 35mm • 100 Min. • OmU
Mirush lebt im Kosovo. Schon kurz nach seiner Geburt hat der Vater die Familie verlassen, um im Norden Geld zu verdienen – und seitdem nichts mehr von sich hören lassen. Als Mirushs älterer Bruder tödlich verunglückt, findet der Junge unter den Sachen des Verstorbenen Hinweise auf ein Restaurant, das der Vater in Oslo besitzt – und auch das nötige Reisegeld. Mit ihm gelangt Mirush nach Norwegen, wo er sich unter falschem Namen von seinem Vater als Aushilfe anstellen ässt ... Nach dem ländlichen Psychodrama „Øyenstikker“ ist Regisseur Marius Holst nun ein großstädtischer Thriller gelungen, in dem das Motiv vom verstoßenen Sohn, der spezifischen Osloer Multikulturalismus und das Mafiagenre zu einer spannenden Einheit finden. (Quelle: Katalog der Nordischen Filmtage Lübeck)
Gekrallt
Regie: Petter Næss • Spielfilm 2007 • 35mm • 92 Min. • OmU
Es muss Liebe sein! Sie zieht bei ihm ein, und Er lässt es geschehen. Zwar redet sie ein bisschen zuviel, doch dann geht Er eben schwimmen ... Sie heißt Marianne, Er bleibt namenlos und Marianne über alle Turbulenzen hinweg treu und verfallen. Das Liebes- und Zusammenleben der zwei hat Regisseur Petter Næss als einen hochtourigen Schlagabtausch inszeniert. Mit seiner Bearbeitung eines Romans des Erfolgsschriftstellers Erlend Loe ist dem „Elling“-Regisseur erneut ein hochkomischer Coup gelungen: „Gekrallt“ zeigt aufs Unterhaltsamste, dass Männer und Frauen nicht voneinander leben können. Aber erst recht nicht zusammen. (Quelle: Katalog der Nordischen Filmtage Lübeck)
Cold Lunch
Regie: Eva Sørhaug • Spielfilm 2008 • 35mm • 90 Min. • OmU
„Mein Ziel ist, dass alle, die jemals davon geträumt haben, um die Welt zu segeln, ihre Wohnung verkaufen und die Segel setzen, nachdem sie den Film gesehen haben.“ Eva Sørhaug
Weil eine Möwe seine Jacke verschmutzt hat, setzt der smarte Herumtreiber Christer im Keller eines Hauses die Waschmaschine in Gang &ndsah; was in der unmittelbaren Nachbarschaft einen fatalen Domino – Effekt zur Folge hat. Denn weil Christer sich an der Hauptsicherung zu schaffen macht, trifft im Erdgeschoss Lenis alten Vater der Schlag, woraufhin seine leicht verhuschte Tochter das Wohnrecht verliert. Die junge Mutter Heidi kommt mit nasser Wäsche nach Hause und leidet einmal mehr unter den brutalen Anwandlungen ihres Mannes. Nach dem Vorbild vielschichtiger Beziehungsreigen wie „Happiness“ und „Magnolia“ knüpft Eva Sørhaug in ihrem Deb¨t ein dichtes nachbarschaftliches Geflecht. Ein Film der die ganze Brüchigkeit menschlicher Existenz offenbart und doch eine positive Entwicklung aufzeigt. (Quelle: Katalog der Nordischen Filmtage Lübeck)
Der Bundesverband kommunale Filmarbeit präsentiert:
Neu im Verleih des Bundesverbandes kommunale Filmarbeit: »Auf der anderen Seite der Leinwand« von Bernd Sobolla – ein Dokumentarfilm über die Geschichte des Moviemento in Berlin-Kreuzberg, Deutschlands ältestem Kino.
Die Geschichte des »Moviemento« in Berlin-Kreuzberg, Deutschlands ältestem Kino, das 1907 gegründet wurde und in dem in über 100 Jahren viele Tausend Filme über die Leinwand flimmerten. Die verrückteste Geschichte spielte sich aber hinter der Leinwand ab – im legendäre Spiegelsaal: die Geschichte des Kinos selbst. Manfred Salzgeber schuf erstmals aus einem Bezirkskino ein Programmkino. Es traten die ersten schwul-lesbischen Theatergruppen auf. Hier begann der deutsche Kult um die »Rocky Horror Picture Show«. Diverse Karrieren starteten ebenfalls dort, z.B. die von Wieland Speck, Blixa Bargeld, Claus Boje, Dany Levy oder Tom Tykwer. Bis heute gilt das Moviemento als Kreativitätsschmiede und wird regelmäßig für sein Programm ausgezeichnet. Doch trotz des Erfolges stand das Kino oft genug vor dem finanziellen Zusammenbruch – aber das Moviemento existiert immer noch! Neben vielen Interviews und historischen Aufnahmen bietet »Auf der anderen Seite der Leinwand« interessante Einblicke in die alte West-Berliner Subkultur der 1970er und 1980er Jahre. Doch vor allem ist der Film eine wunderbare Hommage an das Kinomachen.
Auf der anderen Seite der Leinwand. 100 Jahre Moviemento
Buch und Regie: Bernd Sobolla • Kamera: Peter Domsch u.a. • Musik: Mark Collinson • Schnitt: Udo Röben • Produktion: Studio Kitsune • Produzent: Bernd Sobolla • Darsteller: Tom Tykwer, Blixa Bargeld, Wieland Speck, Claus Boje, Detlev Buck, Sylke Enders, Rosa von Praunheim, Ingrid Schwibbe, Elser Maxwell, Manfred Salzgeber, Benjamin & Dominik Reding u.a. • Land/Jahr: Deutschland 2009 • Länge: 82 Minuten • Format: DVD • Start: 20. April 2010.
Auf der anderen Seite der Leinwand wurde bei den Internationalen Filmfestspielen Berlin in einer Sondervorführung im Rahmen der Reihe "Berlinale goes Kiez" gezeigt. Zuvor lief der Film auch schon im Programm des 31. Filmfestivals Max Ophüls Preis.
Jong'r
Neu im Verleih des Bundesverband kommunale Filmarbeit: Der Film Jong'r zum 30. Jubiläum der Band NoRMAhl
Die Band NoRMAhl
Musik aus Trotz geboren
1978 – im Karls-Gymnasium in Stuttgart überschreiten drei 13- bis 14-Jährige erstmals öffentlich die Grenzen des damals gängigen musikalischen Anstands. Ohne Grundausbildung, aber mit der Fähigkeit, Wut und Frustration in Worte und Töne zu transformieren, missionieren NoRMAhl die ersten 40 Schüler für ihre „Religion“: Punk. Der Wirbel um die Sex Pistols in England war erst ein Jahr her.
Die Anfangsjahre
1980 nahmen die Mitglieder der Band die erste Schallplatte auf. Sie spielten in Frankfurt und Berlin: dort standen sie in einem Plattenladen in den „Verkaufscharts“ auf Platz drei. Sie suchten für ihre Musik nach alternativen Vertriebswegen jenseits der Mechanismen der Musikindustrie, tauschten ihre Scheiben mit denen von anderen Bands. Die nächsten von insgesamt zwölf LPs erschienen bei einer kleinen Firma – und dann landeten NoRMAhl bei BMG Ariola.
Erfolg und Überdruss
In den Neunzigern tourten sie durch die Schweiz, die Tschechoslowakei, Österreich, Südtirol. Irgendwann „hat man keine Unterhose mehr“ und ist „ein bisschen verroht“. Es war „wie in einer Ehe – du bist 30, 40 Tage unterwegs, du hockst dauernd aufeinander“ und teilst den immer gleichen Alltag aus Bühne, Hotel, Party, Busfahrt, Bühne, Hotel ... Irgendwann hatten sie einander rechtschaffen satt und trennten sich 1996 nach 18 gemeinsamen Jahren.
Die Rückkehr des Punks
2002 setzten sie sich wieder an einen Tisch: Sie mussten Zweitverwertungsrechte alter Songs besprechen. Die Atmosphäre war gespannt. Die ersten Worte kamen tröpfelnd. Besa servierte Bier. Nach der ersten Kiste waren sie sich einig, dass man wieder miteinander was machen muss. Am Ende stand die Wiedervereinigung, ein Album „IN RI 21“ und eine Tournee mit nie erwarteten, randvollen Konzert-Sälen.
Der Film zum 30-jährigen Bestehen der Band NoRMAhl erzählt die Geschichte des Punk in einer beschaulichen, schwäbischen Kleinstadt der späten 70er-Jahre. Es geht um Lebensgefühl, Langeweile, Liebe, Gewalt, Spaß und Exzess.
In einem alten Leutenbacher Haus prallen die Generationen aufeinander. Fred (Aaron Frederik Defant) und sein Vater (Lars Besa) haben sich nicht viel zu sagen. Im Herzen des Wohnzimmers steht das Sideboard mit der Stereoanlage. Die geliebte Plattensammlung reicht von Wim Thoelkes „Drei mal neun“ bis hin zu Elvis. Der Vater schwärmt für den King of Rock ’n’ Roll, während Fred sich seiner Religion – dem Punk – zuwendet. Da darf auch der Chorkönig Gotthilf Fischer nicht fehlen, der sich nachts im Nachthemd aus dem Fenster lehnt, um für Ruhe zu sorgen.
Für ihren Jubiläumsfilm schlüpften die Bandmitglieder von NoRMAhl selbst in die Rollen ihrer spießigen Väter, deren Lebensinhalt sich zwischen Arbeitsalltag und abendlichem Suff im dörflichen Wirtshaus abspielt. Eine Heimatgeschichte von zwei Generationen sympathischer Loser – in einer wahrhaft wilden Zeit …
D 2009 / Länge: 30 Minuten NoRMAhl Dokumentation zzgl. 60 Minuten Jong’r
Drehbuch: Emanuel Brüssau und Sandro Lang / Regie: Sandro Lang / Produktionsleitung: Dagmar Brüssau / Darsteller: Aaron Frederik Defant, Julian Trostorf, Hasan Dere, Julia Colazzo, Paula Kohlmann, Fabrizio Fiordellisi, Lars Besa, Mick Scheuerle, Manny Rutzen, Scobo Skobowsky / Kamera: Ingalena Klute; 2nd Unit Kamera: Hubert Ersinger / Beleuchtung: Gregor Ersinger, Manny Rutzen, Alexandra Tiziani / Requisite: dack_aus_bruessau / Kostüm: dack_aus_bruessau / Maske: dack_aus_bruessau, Harald Klute / Ton: Christian Polzer, Mick
Scheuerle, Emanuel Brüssau / Animation: Emanuel Brüssau, Sandro Lang, Ingalena Klute / Best Girl: Jennifer Sittler / Produktion: L.A.R.S. Musikverlag / Format: Festplatte, DVD
Kinostart: Mitte November 2009. Weitere Infos zum Verleih: info (at) kommunale-kinos.de
weitere Infos zum Film: www.normahl.de
Menschliches Versagen
In Kooperation mit der Sentana Filmproduktion präsentiert der Bundesverband kommunale Filmarbeit bis Ende des Jahres in einer Tournee durch die Kommunalen Kinos Michael Verhoevens neuen Dokumentarfilm Menschliches Versagen. Der Regisseur ist gerne bereit, einzelne Kinovorführungen zu besuchen und mit dem Publikum zu diskutieren.
REGISSEUR MICHAEL VERHOEVEN ÜBER DEN FILM:
Was man beschönigend die "Arisierung" nennt, ist in Wahrheit einer der größten Raubzüge des 20. Jahrhunderts, begangen an einem Teil der eigenen Bevölkerung. Es war nicht die "Gestapo", die in die jüdischen Wohnungen eindrang, um den gesamten Besitz zu beschlagnahmen vom Bankkonto bis zur Unterwäsche. Es waren deutsche Finanzbeamte. Großes ging an die Finanzbehörden, Kleines über "Versteigerungen aus nichtarischem Besitz" an die lieben Nachbarn. Darum geht es in unserem Film.
Prof. Wolfgang Dreßen von der Universität Düsseldorf ist schon lange auf der Spur von Akten, in denen die genauen Einzelheiten der verschiedenen Enteignungsvorgänge beschrieben und belegt werden. Weil die Enteignung teilweise in Gestalt von Steuern vorgenommen wurd, befinden sich die Unterlagen in den Steuerakten der enteigneten Personen. Dieser Umstand hat es den Nachkriegsbehörden erleichtert, diese Enteignungsakten unter Verschluss zu halten - unter Berufung auf das Steuergeheimnis. Die Alliierten haben sich für die Steuerakten offenbar nicht interessiert. Die Banken waren nicht aufgefordert, die Unterlagen aufzudecken. Die Beweislast lag bei den Opfern. Durch einen anonymen Hinweis konnte Prof. Dreßen ca. 2000 Akten in der Oberfinanzdirektion Düsseldorf dingfest machen. In einer Wanderausstellung, stellt er die wichtigsten Unterlagen dieser Akten aus. Die Oberfinanzdirektion Köln hat vergeblich versucht, die Namen der Opfer in den ausgestellten Akten zu schwärzen.
In Amerika lebende Nachkommen einer enteigneten und deportierten Familie haben nach der Veröffentlichung der Kölner Akten durch Prof. Dreßen erstmals das Schicksal dieser Opfer in Erfahrung gebracht. Im Münchner Staatsarchiv (Leitung Dr. Bernhard Grau) ist erst ein Drittel der vor kurzem aufgetauchten Enteignungsakten "verzeichnet". Sie stellen für Historiker ein neues Forschungsbiet dar. Wir haben jüdische Zeitzeugen ausfindig gemacht, die die Beraubung ihrer Familien als Kinder oder junge Erwachsene miterlebt haben. Heute sind sie alt und berichten von ihren Erfahrungen. Die Betroffenen empfinden keinen Hass, sprechen nicht von "Schuld", nur von "Menschlichem Versagen".
Wissenschaftler wie der Historiker Götz Aly, der Historiker und Archivar Andreas Heusler und die Genealogin und Holocaust-Expertin Cornelia Muggenthaler geben den historischen Hintergrund.
Menschliches Versagen
Regie: Michael Verhoeven • Buch: Luise Lindermair, Michael Verhoeven • Schnitt: Gabriele Kröber, BFS • Kamera: Britta Becker, Matthias Boch, Joseph McCarthy, Jokl Hausleitner • Ton: Markus Stoffel, Martin Noweck, Robert Gongoll, Gregor Kuschel, Robert Poss, Walter Fiklocki • Musik: Sami Hammi • Regieassistenz: Luise Lindermair • Postproduktion: Michael Sänger Film • Farbkorrektur: Jürgen Pertack • Mischung/Sounddesign: Sören Blüthgen • Produktionsleitung: Magnus Augustin • Filmgeschäftsführung: Johanna Kohtz • Produktionsassistenz: Barbara Bauermeister, Nina Nun, Sylwia Pawluczuk • Förderung: Filmstiftung Nordrhein-Westfalen, Andrea Baaken, Claudia Droste-Deselaer,s FilmFernsehFonds Bayern, Gabriele Pfennigsdorf • Redaktion: Beate Schlanstein (WDR), Hubert von Spreti (BR) • Land/Jahr: D 2008 • Länge: 90 min • Format: DVD • Produktion: Sentana Filmproduktion
Irène Schweizer
Neu in seinem Verleih hat der Bundesverband kommunale Filmarbeit den Film "Irène Schweizer" von Gitta Gsell - dieses stimmungsvolle Porträt der eigenwilligen und international renommierten Jazz-Pianistin aus der Schweiz, die aktiv an den großen politisch-kulturellen Veränderungen der letzten 50 Jahre teilgenommen hat. Dank Ute Mader können wir damit unsere mit "Namibia Crossings" begonnene Zusammenarbeit mit der Schweizer Produzentin Franziska Reck fortsetzen.
"Wenn es den Jazz nicht gäbe,wäre ich keine Musikerin."
Musik ist ihr Leben, das wusste sie schon als Zwölfjährige. Als Irène Schweizer dann in den 50er Jahren als Pianistin in Zürich auf die Bühne trat, war sie eine kleine Sensation. Frauen sangen und tanzten, aber spielten nicht Jazz! Der Flügel war ihr Begleiter und ihre Inspiration in den verrauchten Jazzlokalen der 60er, im politischen Aufbruch der 70er, in der Frauenbewegung der 80er Jahre. Wenn sie ihn mit Armen und Ellenbogen als Schlaginstrument gebrauchte, war das Publikum nicht nur begeistert. Doch ihre radikalen Ideen, ihr Mut und ihre Offenheit für neue Einflüsse haben ihre Auftritte bis heute zu faszinierenden Erlebnissen gemacht.
Der Flügel, mein Begleiter
"Dort steht er, der Flügel, und erwartet sie. Eine Frau, die seit über 40 Jahren den Flügel ihren Begleiter nennt, Freud und Leid mit ihm teilt, von ihm inspiriert wird und diese Inspiration mit ihm auslebt. Ganz selten macht sie einen Seitensprung und setzt sich ans Schlagzeug. Freundschaften und Beziehungen mussten sich immer einen Platz neben der Musik erkämpfen, zwischen den Terminen im Ausland, zwischen Proben, zwischen Inspiration und Kreation. Immer war es die Musik, die zu Höhenflügen inspirierte, manchmal gefolgt von tiefer Einsamkeit. Musik war und ist ihr Leben.
Ich weiss nicht mehr genau, wann ich Irène zum ersten Mal spielen hörte. Ich weiss nur noch, dass ich begeistert war. Sie ist in der Schweizer Jazz-Szene eine Ausnahme eine Instrumentalistin. In den 50ern haben Frauen vor allem gesungen, Irène hat bereits als junge Frau einen ersten Preis als Pianistin am Amateurjazzfestival in Zürich erhalten. Die Stimmungen in den verrauchten Jazzlokalen der 50er und 60er Jahre, die politische Aufbruchstimmung in den 68ern und die Frauenbewegung in den 80er Jahren, haben mich fasziniert. Irène improvisierend am Klavier: Ellbogen auf Tasten, hämmernde, schleifende Finger hacken und sausen darüber. Im Innern des Flügels zerrt und zupft sie an den Saiten.
Ausnahmeerscheinung
Mit ihrer Biographie und ihrer alternativen Lebenshaltung ist Irène in der Schweiz eine Ausnahmeerscheinung. Sie hat mich als kreativ arbeitende Frau interessiert und inspiriert, diesen Film zu machen. Gut zehn Jahre älter als ich, ist sie für mich auch eine Vorreiterin in der Frauenbewegung und eine der wenigen weiblichen Figuren in der kreativen Schweizer Szene 63jährig, musikalisch im Jazz verwurzelt und mittlerweile einzuordnen im Instant Composing und in der improvisierten Musik, international bekannt." (Gitta Gsell)
Feminist Improvising Group
Mitte der 70er Jahre lernt Irène Schweizer die britische Musikerin Lindsay Cooper kennen, die im Umfeld der progressiven englischen Rockmusik um Henry Cow spielte. Aus dieser Bekanntschaft entsteht die bahnbrechende Frauenband Feminist Improvising Group mit Lindsay Cooper, Maggie Nicols, Georgie Born, Irène Schweizer, Sally Potter.
Die Zusammenarbeit mit Musikerinnen wird nun ein wichtiger Teil der künstlerischen Arbeit von Irène Schweizer. Wie kaum eine andere Musikerinnenpersönlichkeit prägt Irène Schweizer die musikalische Frauenbewegung. 1983 gründet sie die European Womens Improvising Group. Seit den 90er Jahren spielt sie regelmäßig im Frauentrio Les Diaboliques mit der britischen Sängerin Maggie Nicols und der französischen Bassistin Joëlle Léandre oder im Duo mit der Zürcher Saxophonistin Co Streiff. 1986 beteiligt sich Irène Schweizer an der Organisation des ersten Frauen-Jazzfestivals in der Schweiz, dem Canaille-Festival in der Roten Fabrik in Zürich.
Many and One Direction
Die Suche nach ihrem eigenen musikalischen Ausdruck sowie der Mut, sich von festgefügten musikalischen Normen frei zu machen und sich nicht an konventionellen Standards messen zu lassen (musikalischen, ideologischen, geschlechtsspezifischen), charakterisieren bis heute Irène Schweizers künstlerische Arbeit.
Many and One Direction nennt Irène Schweizer eine ihrer wichtigen Solo-Aufnahmen nach einem Bild der Schweizer Künstlerin Sonja Sekula. Darüber schreibt die Musikredakteurin Lislot Frei: "Many and One Direction: Irène Schweizer geht in viele Richtungen und verliert doch die Richtung nicht. Mit klarem Kopf findet sie sich im Gewirr der Einflüsse, Traditonen und Stile zurecht. Was auch immer sie spielt, ihre Handschrift ist unverkennbar. Es ist konzentrierte musikalische Erfahrung von vierzig Jahren. Klare, schnörkellose, spielerische, geradlinige, humorvolle Musik. So spielt sonst keine."
Improvisation als Lebenskunst
"Gsell präsentiert ein dichtes Filmproträt der Pianistin Irène Schweizer, die aus dem Prinzip der Improvisation eine Lebenskunst gemacht hat. Durch die geschickte Anordnung des Materials, auch schöne Alltagsimpressionen gehören dazu, werden wichtige Kontinuitätslinien in Schweizers Schaffen offen gelegt. Ton und Bild erhalten so eine neue Brisanz."
Aargauer Zeitung
Unverzichtbar für alle Jazz-Freunde
"Die Zürcherin Gitta Gsell zeichnet in ihrem sensiblen Filmporträt den Lebensweg der berühmten, heute 63jährigen Freejazzpionierin nach. In Schaffhausen aufgewachsen, entwickelte Irène Schweizer in den 1960ern ihre Leidenschaft für den Freejazz. Der Film zeigt, wie die Klavierspielerin mit ihren widerborstigen Kaputtspiel-Tönen vorerst aneckte, erzählt von einer unangepassten Frau, die sich inmitten von Protestbewegungen tummelte. Ein Dokumentarfilm über ein ungewöhnliches Frauenleben ganz und gar unverzichtbar für alle Jazzfreunde."
Tages Anzeiger
Witzige Bilddokumente
Hervorragend gelingt es der Regisseurin und Drehbuchautorin Gsell, die gesellschaftlichen Umstände und die daraus geronnene Kunst in einen plausiblen Kontext zu stellen. Ganz getreu der Lebensphilosophie der Musikerin Irène Schweizer, das Leben und die Musik gleich leidenschaftlich zu lieben. Das chronologisch gegliederte Bildermosaik glänzt überdies durch überraschend witzige Bilddokumente.
Arthouse Movie News
Irène Schweizer
Regie und Buch: Gitta Gsell Kamera: Hansueli Schenkel 2. und 3. Kamera: Peter Volkart, Gitta Gsell, Kamal Musale, Matthias Kälin Montage: Kamal Musale, Gitta Gsell Musikalische Beratung: Juliana Müller Ton: Dieter Meyer Sound Design: Christian Beusch Sprecher: Gilles Tschudi Produzentin: Franziska Reck Produktion: RECK Filmproduktion mit: Irène Schweizer (Piano, Drums), Fred Anderson (Sax), Jürg Wickihalder (Sax), Hamid Drake (Drums), Louis Moholo (Drums), Pierre Favre (Drums), Co Streiff (Sax), Joëlle Léandre (Bass), Maggie Nicols (Vocals), La Lupa (Vocals), Han Bennink (Drums), Rosmarie A. Meier u. Patrik Landolt (Intakt Records), Marianne Regard, Niklaus Troxler (Jazzfestival Willisau), Mpumi Moholo, Jost Gebers (FMP Free Music Productions), Rosina Kuhn (Kunstmalerin) Land/ Jahr: Schweiz 2005 Format: DVD Länge: 75 min (plus Specials "Jazzfestival Willisau" 22 min und "Moods Zürich" 34 min Fassung: Original mit dt. Untertiteln
Namibia Crossings

Der Bundesverband kommunale Filmarbeit hat den Film "Namibia Crossings" von Peter Liechti - diese Liebeserklärung an die (Welt)Musik und an das Land Namibia - neu im Verleih. Wir verfügen dank Ute Mader über eine deutsch untertitelte Originalfassung und umfangreiches Werbematerial. Liechtis Film ist ein "Soundgedicht", das mit vielen Stellen glänzt, in denen "kurz ein Engel durch den Kinosaal" geht. "Unterwegs sein. Fremden und Fremdem begegnen. Pittoreske Landschaften entdecken. Musik und Geräusche. Dazu: schnurrige Gedanken (...): Das sind die Filme von Peter Liechti." (Filmbulletin)
Zum Inhalt
12 Musiker und Sängerinnen aus Namibia, Zimbabwe, der Schweiz und Russland, die "Hambana Sound Company", gehen zusammen in Namibia auf Konzerttournee. 12 verschiedene Träume unterwegs in einem Land, das sich genauso wie das frisch gegründete Ensemble von Grund auf neu erfinden muss: Namibia, ehemals Deutsch-Südwestafrika. Die gemeinsame Suche nach den tieferen Quellen von Musik wird mehr und mehr zur Grenzerfahrung jedes Einzelnen, vor allem durch die Begegnung mit den lokalen Musikgruppen in den abgelegenen Provinzen - euphorische, traurige, heftige Begegnungen...
"Namibia Crossings" ist die Reise durch ein Land von archaischer Schönheit, voller bizarrer Gegensätze - stetes Echo auf die Polyphonie der seelischen Landschaften, gebildet aus den Hochs und Tiefs des Ensembles. Das Wort "Hambana" steht für Ausgelassen-Sein, Nicht-an-irgendwelche-Grenzen-oder-Konventionen-gebunden-Sein.
Filmen ist Musik machen
Interview mit Peter Liechti
Würden Sie "Namibia Crossings" als Musikfilm bezeichnen?
Nein, Musik ist zwar der Aufhänger, das Mittel, das uns zu den Menschen transportiert, sie ist auch der rote Faden, der durch den Fiml führt, aber sie ist nicht das Zentrale. Sie ist vielmehr eine der diversen Ebenen in dieser mit Abstand vielschichtigsten Arbeit in meiner Filmografie.
Ihre oftmals frei assoziierende Art der Montage erinnert mich an improvisierte Musik.
Das ist richtig, denn im Grunde genommen mache ich Filme, weil ich keine Musik machen kann. Ich wäre eigentlich lieber Musiker geworden, aber damals, in meiner Jugend, waren die Bedingungen einfach nicht so, dass ich diesen Weg hätte einschlagen können. Und Film ist für mich das Medium, das Musik am nächsten steht, weil es sich ebenfalls in einem zeit-räumlichen Gefüge abspielt, wo die Begriffe Komposition und Rhythmus eine zentrale Rolle spielen, wo es Ouvertüren und Epiloge gibt etc. (...) Und so habe ich bereits in meinen allerersten Film, den Experimentalfilm "Sommerhügel" aus dem Jahr 1984, meine gesamte Lieblingsmusik, alles Jazz, hineingepackt. Und ich bin seither diesen Weg gegangen; alle meine Filme haben starke Tonspuren, und ich filme so, als ob ich Musik machen würde.
"Namibia Crossings" ist ein Film geworden, wo neben der Musik und den musikalischen Begegnungen das Vermitteln der sozialen Realität eines afrikanischen Landes mit einer extrem hohen Aids-Rate eine wichtige Rolle spielt. Ist der Grundton dabei nicht etwas gar optimistisch geraten?
Das mag sein, hat aber damit zu tun, dass man in Namibia fast nie eine Atmosphäre antrifft, die einen depressiv macht. Es gibt einen enormen Lebensmut bei diesen Menschen, möglicherweise hat das mit dem Licht zu tun: Man kann sich in das dunkelste Eck verkriechen, und trotzdem kommt noch irgendein Lichtstrahl herein, es ist einfach nirgends dunkel. (...) Und dennoch gibt es eine enorme Traurigkeit bei vielen Leuten; es haben ja so viele ihre Verwandten, Partner oder Freunde durch diese Aids-Epidemie verloren. Aber die Leute wissen andererseits auch, dass Tod und Leben so nahe beieinander sind. Und daraus kommt dann wieder dieses für uns oft unverständliche "Just enjoy it". (Zürichsee-Zeitung v. 1.10.2004)
Pressestimmen
Einer der stimmungsvollsten Filme, die in Namibia gedreht worden sind. Namibia steckt voller verborgener Melodien und Rhythmen man muss nur das Auge haben, sie zu sehen, sagt uns die Kamera.
Allgemeine Zeitung älteste Tageszeitung Namibias
Namibia Crossings begleitet die Hambana Sound Company, eine multinationale Musiktruppe, die afrikanische mit westlichen Sounds fusioniert, auf einem Konzerttrip durch Namibia. Liechtis Perspektive zielt aber über diesen 'Auftrag hinaus: Sein Roadmovie befragt über Landschaftsaufnahmen, Aufenthalte bei indigenen Völkern, aber auch über den off-Kommentar die eigene Haltung gegenüber dem Kontinent, die Sehnsucht nach dem Anderen. Die Utopie des Musikprojekts bleibt indes uneinholbar Spannungen unter den Künstlern treten auf, die Instrumente erklingen immer öfter solo, und die Reise zerfällt in Momente. Genau diese Realität macht Namibia Crossings aber so aufschlussreich wie aufrichtig!
DER STANDARD WIEN
Ein Bild bleibt unvergesslich: In einer Geisterstadt, in einem unter Dünen versinkenden Haus entlockt der Akkordeonist seinem Instrument einen letzten Seufzer, ein Ausatmen, das dem Wind aus der Wüste antwortet und dem Sand der Zeit.
LHÉBDO
Namibia Crossings
Regie und Buch: Peter Liechti; Kamera: Peter Guyer, Peter Liechti; Schnitt: Loredana Cristelli; Musik: Hambana Sound Company; Sunshine Kids, Epukiro; The San Musicians, Tsumkwe, Lovers Band, Mariental, Freedom Gospel Singers, Lüderitz; Ton: Dieter Meyer; Mischung und Sound Design: Christian Beusch; Produktion: Franziska Reck; Land/Jahr: Schweiz 2004; Format: 35mm, 1:1,85, Farbe; Länge: 90 Min.; Fassung: Originalversion (Englisch, Deutsch, Afrikaans, Nama, Damara, San) mit deutschen Untertiteln
Festivals
Visions du réel, Nyon
Eröffnungsfilm & Wettbewerb (4/2004)
Zimbabwe International Film Festival
Wettbewerb (8/2004)
Swiss American Film Festival New York
11/2004
Festival dei popoli, Firenze
Wettbewerb (11/2004)
40. Solothurner Filmtage
1/2005
FESPACO Ouagadougou
2/2005
Wild Cinema Windhoek International Film Festival
4/2005
14. Internationales Film Festival Innsbruck
6/2005
Schweizer Filmpreis 2005
Nominiert als bester Dokumentarfilm
Hard Goodbyes: My Father
Penny Panayotopoulou, Griechenland, Deutschland 2002, 108 min, 35mm, OmU, Altersfreigabe: Empfohlen ab 10 Jahren
Ein herausragender Film von erstaunlicher Kraft, der eine Geschichte über das Erwachsenwerden reicher und origineller als die meisten erzählt. Das sind keine Werbeslogans, die wir für den Film "Hard Goodbyes: My Father" der griechischen Regisseurin Penny Panayotopoulou erfunden haben, sondern Zitate aus Screen International, der Londoner Times und der Movie Times. Wir freuen uns deshalb sehr, das auf vielen Festivals prämierte und mit zwei griechischen Filmpreisen ausgezeichnete Langfilmdebut in der deutsch untertitelten Originalfassung präsentieren zu können.
Inhalts- und Stabangaben finden Sie in der Rubrik Aktuelles.
Der unbekannte Orson Welles
"Der unbekannte Orson Welles" ist der Titel eines abendfüllenden Kurzfilmprogramms mit fünf Werken des Meisters. Wenn das Kino eine Religion ist, dann ist Orson Welles einer ihrer Evangelisten. Nur wenige werden ähnlich vergöttert wie dieser Hochbegabte. Zugleich erscheint kein Zweiter so rätselhaft. 1995 ging der Nachlass von Orson Welles, diese grandiose Fundgrube, an das Filmmuseum München, das die Kurzfilme restauriert hat. Das vorliegende Programm des Bundesverbandes kommunale Filmarbeit zeugt nicht nur vom Ideenreichtum und Humor seines genialen Autors, sondern besitzt auch großen dokumentarischen und (auto)biografischen Wert. Entdecken Sie den unbekannten Orson Welles!
- London
- Vienna
- Moby Dick
- The Magic Show
- The Spirit of Charles Lindbergh
Das Kurzfilmprogramm vereint sehr unterschiedliche Filme in verschiedenen Stadien und lohnt den Einsatz im Kino. Man sollte allerdings auch in der Werbung darauf achten, die richtigen Erwartungen beim Publikum zu wecken und weniger auf das Kurzfilmprogramm als auf die unbekannten Orson-Welles-Werke hinweisen. Das Programm beginnt mit "London", sicherlich mit Abstand der publikumswirksamste Film, obwohl hier einzelne Szenen ohne Ton sind; gerade die stummen Szenen in dem Herrenclub, aber auch das Interview vor dem Schloss sind nicht nur darstellerisch (Orson Welles in vielen Rollen) herausragend und filmisch interessant, sondern auch wunderbare Unterhaltung.
Einerseits ein auflockernder Auftakt, andererseits weckt dieser aber Erwartungen, die von "Moby Dick (Orson Welles, den Text seines Stückes rezitierend) und "The Magic Show" (Orson Welles zeigt Zauberkunststücke, mit einigen humorvollen Einlagen) nicht ganz erfüllt werden. Dennoch sind auch diese beiden sehens- und zeigenswert, nicht zuletzt durch Welles' charismatische Erscheinung und faszinierende Stimmkunst.
Insgesamt ein gelungenes Programm, das von "Vienna", einer Aufzählung von Wiener Attraktionen und Süßspeisen, und "The Spirit of Charles Lindberg", die Rezitation eines Lindbergh-Textes als Abschiedsgruß an einen Freund, komplettiert wird.
London
(1968-1971) R+B: Orson Welles - K: Giorgio Tonti, Tomislav Pinter, Ivica Rajkovic, Gary Graver - D: Orson Welles, Charles Gray, Jonathan Lynn, Oja Kodar - 35mm - 29 min - OmU
Dieses eigenwillige London-Portrait besteht aus fünf Episoden: Churchill, Swinging London, Four Clubmen, Stately Home und Tailors. Orson Welles spielt u.a. einen Straßenmusiker, einen Polizisten, eine Blumenverkäuferin, einen Chinesen, einen Marinesoldaten und einen Hippie. Auch die englischen Gentlemen in Four Clubmen verkörpert er natürlich alle selber. "In dem London-Portrait kann Welles seiner abgegriffenen Persona ganz neue Sprengkraft abgewinnen. Eine große Entdeckung." (epd Film)
Moby Dick
(1971) R+B+P: Orson Welles - K: Gary Graver - D: Orson Welles - 35mm - 22 min - OmU
Nachdem sich Orson Welles schon 10 Jahre mit dem Buch von Herman Melville beschäftigt hatte, nachdem er es als Hörspiel und Theaterstück inszeniert hatte, nachdem er an der Verfilmung durch John Huston beteiligt war und er den Ahab-Monolog im Fernsehen vorgetragen hatte, begann Welles 1971 mit den Filmaufnahmen zu einer Kurzfassung seines Theaterstücks. Darin spielt er alle Rollen selbst.
Vienna
(1968) R+B+P: Orson Welles - K: Giorgio Tonti - D: Orson Welles, Senta Berger, Mickey Rooney, Arte Johnson, Peter Bogdanovich - 35mm - 8 min - OmU
Orson Welles spaziert durch Wien, spricht über die Stadt und ihre Einwohner, präsentiert Wiener Spezialitäten und besucht das Hotel Sacher sowie das Riesenrad im Prater. Seine Erinnerung an Der dritte Mann läßt ihn in Wien das Zentrum der Spionage sehen; die Bestätigung folgt auf dem Fuss: Zwei Agenten kidnappen Senta Berger, "die schönste Frau von Wien". "Mit dem Witz der frühen Monty Pythons präsentiert Welles ein persönliches Bild von Wien." (FR)
The Magic Show
(1976-1985) R+B+P: Orson Welles - K: Gary Graver, Tim Suhrstedt - D: Orson Welles, Angie Dickinson, Gary Graver - 35mm - 27 min - OmU
"Glauben Sie an Zauberei?" Mit dieser Frage beginnt "The Magic Show". Sein Leben lang war Orson Welles von der Zauberei fasziniert. Er trat als Zauberer in Film und Fernsehen auf, in Kabaretts und auf der Bühne in Las Vegas. Von 1976 bis zu seinem Tod 1985 filmte er verschiedene Zaubertricks für einen Langfilm. Die vorliegende "Tour durch die Welt der Zauberei" enthält die Sequenzen, die Orson Welles noch geschnitten hat.
The Spirit of Charles Lindbergh
(1984) R+B: Orson Welles - K: Gary Graver - D: Orson Welles - 35mm - 3 min - OmU
Ein Filmbrief als Geburtstagsgeschenk für einen Freund. Orson Welles rezitiert eine Passage aus dem Tagebuch von Charles Lindbergh. Dies ist die letzte Filmaufnahme vor seinem Tod.
35mm, OmU, Gesamtlänge des Programms: 90 Minuten
Gefördert von der MFG Filmförderung Baden-Württemberg und der Hessischen Filmförderung
Dollar Mambo
Paul Leduc, Mexiko/Spanien 1993, 83 min, 35mm, Farbe, OF mit wenigen deutschen Untertiteln, da fast ohne Dialog
Ein schummriges Kabarett, ein Bauchredner, zwei, drei Hafenarbeiter - der Abend hat noch nicht richtig begonnen. Die Mambo Tänzerinnen sind noch am Proben, draußen, im Hafen, werden von kleinen Gaunern kleine Fischzüge geplant, Liebschaften bahnen sich an. Das nächtliche Mambospektakel wird jäh unterbrochen, als ausländische Invasoren eindringen. Der Mambo wird nie mehr derselbe sein.
Panama, 20.12.1989: US-amerikanische Truppen dringen im Schutz der Dnkelheit in Panama ein, binnen Stunden wird das Land zu einem Schlachtfeld. Eine Tageszeitung berichtet von Übergriffen auf die Zivilbevölkerung, in einem Kabarett wurde eine Tänzerin von Soldaten vergewaltigt und getötet.
"Mich interessierte die Idee, aus einer schrecklichen Nachricht eine Art von Musical zu machen; aber nicht ein Musical in der Tradition der Liebesgeschichte, wie die West-Side-Story, sondern ein lateinamerikanisches Musical." (Paul Leduc)
Inhalts- und Stabangaben finden Sie in der Rubrik Aktuelles.
Vom "Grand Café" zu "Griffith"
Ein Filmprogramm zu den Anfängen des Kinos
"Es gibt Menschen, die nie in Kinemas gehen. es gibt auch Menschen, die nie ins Bad gehen. Beide Sorten sind mir höchst unsympatisch." (Hanns Heinz Ewers)
Am Anfang ist das Kino männlich und heißt der Kino bzw. Kinema als Abkürzung für der Kinematograph, wie die Brüder Lumière ihre epochale Erfindung nennen. Ebenso unbekannt wie das "Geschlecht" des Kinos sind vielen auch die ersten 15 Jahre seiner Geschichte. Zum einen gilt der größte Teil dieser Pionierzeit als verloren, zum anderen werden internationale Titel dieser Epoche nur von wenigen deutschen Einrichtungen archiviert.
Der Bundesverband kommunale Filmarbeit hat deshalb auf vielfachen Wunsch ein 16mm-Filmprogramm zusammengestellt, wobei viele Kopien aus den USA beschafft werden mußten. Orientierungspunkt war das gleichnamige, von Kai Gottlob aus Archivbeständen des filmforum Duisburg realisierte Programm.
Die Raritäten des Programms vermitteln die Grundlagen, nach denen Film/Kino heute noch funktionieren: Dokument (Linie 'Lumière') vs. Fiktion (Linie 'Méliès), Erotik (Thomas Edisons "The Kiss"), erster Spielfilm und Komödie/Burleske ("Der begossene Rasensprenger"), mise en scène und Filmtricks ("Die Reise zum Mond"), erster Western (Edwin Porters "The great train robbery"), Parallelmontage mit Rettung in letzter Minute ("The lonely villa" von David W. Griffith), Verbindung von Dokumentarischem mit Inszeniertem (Porters "The life of an american fireman") ...
Höhepunkte des Programms sind zudem der deutsche Filmpionier Oskar Messter, der 1934 rückblickend über die 'Uranfänge des Films' spricht und seine ersten Tonfilme (Tonbilder genannt) präsentiert; weiter der Méliès-Film "Die Reise durch das Unmögliche", der in einer kolorierten Fassung vorliegt; in Porters "Uncle Josh at the Moving Picture Show" wird das Kino selbst zum Thema - die Selbst-Reflexion des Mediums beginnt also schon sehr früh; schließlich können wir Mary Pickford und Mack Sennett als Darsteller in "The lonely villa" bewundern.
Sehnsucht nach Bitterfeld
Thomas Freundner und Ralph Höpfner, BRD 1992 , 98 min., 35mm und 16mm; Farbe und s/w
Dokumentarfilm jenseits des üblichen Fernsehjournalismus über das erste Jahr der deutschen Einheit in Bitterfeld. Entstanden ist - ohne gesprochenen Kommentar der Dokumentaristen - durch die Kraft und Poesie der Bilder sowie durch die Erzählungen der Bitterfelder ein eindringlicher Film, der exemplarisch ist für der erste Jahr nach der "Wende", der aber auch zeigt, daß Bitterfeld als ökologisches Krisengebiet allein nicht ausreichend zu beschreiben ist.
"Der Neunzigminutenfilm "Sehnsucht nach Bitterfeld" hat Aufsehen erregt durch seine eindrucksvollen dokumentarischen Beobachtungen, aber auch durch seine formalen Neuerungen, die die Formenwelt des Dokumentarfilms nachhaltig erweitern." (Alexander Kluge)
Hanna Monster, Liebling
Christian Berger, Österreich/BRD 1989, 95 min; 35mm; s/w
Es geht um eine Frau, die ein Kind erwartet und in dieser Erwartung enttäuscht wird (sie gebärt ein Monster). Hanna (großartig: Marika Green) lebt vor ihrem Schock in schriller Idylle, wie Jerdermann und Jedefrau sonst acuh. In einer Männerwelt aus Technik, Krieg und Religionen bricht eine normale Frau plötzlich aus. Sie verliert die Angst. Sie stellt sich dem Chaos.
Max Ophüls-Preisträger Christian Berger hat diese zwischen Wenders und Antonioni angesiedelte Reise (von Österreich zur Nordsee) so gemacht, wie er sie wollte: störrisch und schwarz-weiß.
Amazonia
Glenn Switkes und Rosaines "Monti" Aguirre, USA 1991, 70 min; 16mm; Normalbild, Farbe, Mono, Original mit deutschen Untertiteln
Eine Welt, die durch Dummheit und Habgier zerstört wird. Der Film "Amazonia" besteht aus drei Teilen. Der erste schildert die Ursprünge des Lebens im Amazonasgebiet und verleih den Indianern, den Ureinwohnern Amazoniens, eine Stimme. Der zweite Teil ist dem Leben der Kautschukzapfer gewidmet. Der dritte Teil läßt die neuen Siedler zu Wort kommen, die aus den ärmsten Gegenden Brasiliens gekommen sind, in der Hoffnung, hier auf einem Stück Land das Notwendigste zum Leben anbauen zu können.
Die Lebendigkeit der Bilder, die musikalische Komposition des brasilianischen Jazzmusikers Egberto Gismonti und die großzügige Bildgestaltung machen "Amazonia" zu einem wahren Kinoerlebnis.
Hollywood on trial - Hollywood vor Gericht
David Helpern Jr., USA 1976, 102 min; 16mm; s/w (OF und DF)
Dokumentation über die anti-kommmunaistische Hexenjagd der McCarthy-Zeit gegen Filmregisseure, Drehbuch-Autoren und Schriftsteller. Zu den "Anklägern" gehörten u.a. Richard Nixon und Ronald Reagan. Der Film macht auf das Schicksal der "Hollywood Ten" aufmerksam, denen die Mitgliedschaft in der kommunistischen Partei nicht nachgewiesen werden konnte, die aber trotzdem schuldig gesprochen, eingesperrt und mit Berufsverbot belegt wurden, bzw. das Land verlassen mussten.
Käpt'n Knödl im Dreck
Georg Dienz, Nana Swiczinsky, Pepi Öttl, Thomas Renoldner, Österreich 1993; 3,1 min, 35mm
Ein waghalsiger Pilot in seiner Raumkapsel ist allein unterwegs in den unerforschten Weiten des Universums. Da! Ein grausames, unberechenbares Monster stürzt sich auf einen Planeten, der wie ein Tiroler Knödel aussieht, und beginnt, ihn aufzufressen. Der Raumfahrer, magisch angezogen von diesem urgewaltigen Schauspiel, wagt sich zunah heran und wird - schwupp - vom Monster verschluckt. Was erlebt er im Innern des schrecklichen Untiers? Hat er genug Sauerstoffreserven für die Expedition durch die Gedärme des Planetenfressers? Kann er die gefährliche Gefangenschaft überleben? Oder muß er erbärmlich zugrunde gehen?
Dieser Animationsfilm ist eine wunderbare Parodie von "Star Wars".
Zu allen Filmen liegt umfangreiches Info-Material vor. Besonders hinweisen möchten wir auf die folgenden Publikationen: Materialband "Kameradschaft" und die Sonderhefte von kinema kommunal zu "Sehnsucht nach Bitterfeld" und "Vom Grand Café zu Griffith".
Filmland Georgien
Die folgenden drei Georgischen Filme sind über das Kommunale Kino Freiburg, Urachstr. 40, 79102 Freiburg, Tel.: 0761 - 709033, zu beziehen.
Meine Grossmutter
Konstantin Mikaberidse, UdSSR/Georgien 1929, 67 min; 16 und 35mm; Stummfilm mit Musik, deutsche Zwischentitel.
Diese bitterböse Satire auf Bürokratie, Protektionismus, Karrierismus und Spießbürgertum - der erste in Georgien verbotene Film - lag 50 Jahre lang auf Eis. In dem außergewöhnlichen Werk wird ein gewissenhafter Bürokrat entlassen. Seine Frau droht mit der Scheidung, wenn er nicht sofoert eine andere Arbeit findet. Nach langem Klinkenputzen rät ihm ein Freund, "eine Großmutter", d.h. eine Protektion zu finden. Gesagt, getan. Aber die Sache hat einen Haken.
Elisso
Nicolaj Schengelaja, UdSSR/Georgien 1928, 90 min; 35mm; Stummfilm mit Musik; deutsche Zwischentitel
Elisso ist ein Film über die Kolonisation des Kaukasus und über die Korruption, die Lüge und die Gewalt, welche die "tapfere russische Armee" einsetzte, um den Tscherkessen ihr Land zu entreissen und sie in die Türkei zu vertreiben. Der Film beschränkt sich aber nicht Auf diesen Einzelfall aus den 60er Jahren des 19. Jahrhunderts, sondern versucht, einen Modellfall kolonialistischer Unterdrückung darzustellen.
Das Salz Swanetiens
Michail Kalatosov, UdSSR/Georgien 1930, 55 min; 35mm; Stummfilm mit Musik; deutsche Zwischentitel
Der hervorragende ethnographische Film über die vergessene, im Bergmassiv des Kaukasus isolierte Region Swanetien ist das Debüt des Kameramannes und Kuleschov-Schülers Kalatosov als Regisseur. Sein schönes, herbes, sogar grausames Werk steht auf einer Stufe mit Bunuels "Las Hurdes". In einigen Effekten erkennt man schon den späteren Autor von "Wenn die Kraniche ziehen".
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