Kinopreis des Kinematheksverbundes

Der Kinopreis des Kinematheksverbundes wird seit 1999 jedes Jahr vom Kinematheksverbund im Auftrag der/des BKM an die kommunalen und nichtgewerblichen Kinos vergeben.

2016:
Kinopreis 2016: Mehr Geld für Kommunale Kinos

Nach fünfzehn Jahren wurde der Kinopreis des Kinematheksverbundes, der jährlich Kommunale Kinos und filmkulturelle Initiativen für herausragende Programme und kontinuierliches Engagement für eine anspruchsvolle und vielfältige Kinokultur würdigt, novelliert. Dank der Unterstützung der Bundesbeauftragten für Kultur und Medien, Monika Grütters, wurde die Gesamtsumme der Preise erhöht und mit insgesamt 30.000 Euro ausgestattet. Zudem ist ein Spitzenpreis („Lotte-Eisner-Preis“) in Höhe von 6.000 Euro eingerichtet worden, um ein besonders verdienstvolles oder innovatives Kino zu prämieren.

Diese Neuerungen unterstreichen die Bedeutung, die den Kommunalen Kinos, aber teils auch Vereinen und Initiativen, die keine kommunale Förderung erhalten, für eine lebendige filmkulturelle Landschaft und die Vermittlung des Filmerbes zukommt. Mit ihrer filmhistorischen Expertise beleuchten sie unbekannte Aspekte und Akteure der Filmgeschichte, entwickeln originelle Filmvermittlungskonzepte, stellen die Filme in ungewohnte Kontexte und laden damit zu einer neuen Betrachtung ein.

Das Spektrum der Spielstätten ist vielfältig: Unter dem Dach des Bundesverbandes kommunale Filmarbeit finden sich die großen Filmmuseen ebenso wie ehrenamtlich betriebene Vereine, die Filmkultur in der Provinz aufrechterhalten. Die vier Kategorien, in denen die Kinopreise vergeben werden, benennen Aspekte filmkultureller Arbeit, die bei aller Heterogenität der Kinos ein gemeinsames Selbstverständnis spiegeln.

So werden in Kategorie „Kino, das zurückblickt“, die Vielfalt und der Ideenreichtum bei der Präsentation von Filmen aus der gesamten Filmgeschichte ausgezeichnet. Dies umfasst den Einsatz von Stummfilmen, Repertoirefilmen und von Filmen aus unterschiedlichen Ländern der Welt.

Die Kategorie „Kino, das bildet“, prämiert innovative Vermittlungskonzepte für Jung und Alt sowie Angebote, die Kindern und Jugendlichen Film als ein künstlerisches Werk näher bringen und zu tieferer Beschäftigung anregen.

In Kategorie „Kino, das verbindet“, werden nachhaltige Kooperationen mit politischen, sozialen und kulturellen Einrichtungen, Initiativen für eine gesellschaftliche Teilhabe der Bürger und Bürgerinnen sowie interkulturelle Kinokonzepte ausgezeichnet.

Schließlich würdigt die Kategorie „Kino, das wagt“, Programme, die neue filmästhetische Perspektiven anbieten. Dies zielt auf die Präsentation filmkünstlerischer Werke abseits des Mainstreams sowie innerhalb der verschiedensten Genres. Gewürdigt werden sollen innovative Ansätze in Programmstruktur und Präsentationsformen.

Die Jury, die am 1. September 2016 über die Auszeichnungen entschieden hat, setzt sich aus fünf Fachleuten zusammen, die über einschlägige Erfahrungen im Bereich der kulturellen Filmarbeit verfügen und als Vertreter verschiedene Verbände repräsentieren, die sich für Filmkultur engagieren. Sie sind für jeweils drei Jahre entsandt. Seit diesem Jahr sind dies: Jens Schneiderheinze für den Bundesverband kommunale Filmarbeit, Anne Siegmayer für den Kinematheksverbund, Werner Fuchs für die AG Verleih, Jennifer Borrmann für den Verband der deutschen Filmkritik und Philipp Aubel für den Bundesverband Jugend und Film.

Die Kinopreise des Kinematheksverbundes wurden am 24. September 2016 im Rahmen des erstmals ausgerichteten Festivals „Film:ReStored. Das Filmerbe-Festival“ verliehen, das vom 22. bis 25. September 2016 im Filmhaus am Potsdamer Platz stattfand.

Die Preisträger 2016

Kategorie „Kino, das zurückblickt“:

Erster Preis (2.000 Euro)
Filmclub 813, Köln
Zweite Preise (jeweils 1.000 Euro)
Zeughauskino, Berlin
Caligari FilmBühne, Wiesbaden
Filmmuseum Potsdam
Black Box, Düsseldorf

Kategorie „Kino, das bildet“:

Erster Preis (2.000 Euro)
Kinomobil Baden-Württemberg e.V., Stuttgart
Zweite Preise (jeweils 1.000 Euro)
Kino des Deutschen Filmmuseums, Frankfurt am Main
Filmhaus Nürnberg
Kinowerkstatt St. Ingbert e.V.
Filmforum Höchst, Frankfurt am Main (Höchst)

Kategorie „Kino, das verbindet“:

Erster Preis (2.000 Euro)
Kommunales Kino Pforzheim
Zweite Preise (jeweils 1.000 Euro)
Kommunales Kino im alten Wiehrebahnhof, Freiburg im Breisgau
Kinothek Asta Nielsen e. V., Frankfurt am Main
Kino achteinhalb, Saarbrücken
Cinema Quadrat e. V., Mannheim

Kategorie „Kino, das wagt“:

Erster Preis (2.000 Euro)
B-Movie Kulturinitiative auf St.Pauli gemeinnütziger e.V., Hamburg
Zweite Preise (jeweils 1.000 Euro)
Kommunales Kino Weiterstadt
traumakino im Cafe Trauma e.V., Marburg
Zebra-Kino – Kommunales Kino Konstanz e. V.
Kino ist Programm e.V., Bayreuth

Lobende Erwähnung: KinoKultur Blankenfelde-Mahlow e.V.

Lotte-Eisner-Preis (6.000 Euro): Kino im Sprengel, Hannover

Die Jury-Begründungen:

LOTTE-EISNER-PREIS
Für herausragende Programmarbeit, die Maßstäbe setzt, und eine begeisterte und kritische Auseinandersetzung mit der Filmgeschichte und ihren Präsentationsformen.

Die Jury zeichnet das Kino im Sprengel in Hannover mit dem Lotte-Eisner-Preis für sein hervorragendes künstlerisches wie politisches und stets originelles und zukunftsorientiertes Programm aus.
Sie sind bis zu 11 ehrenamtliche Filmenthusiastinnen und Filmenthusiasten, haben kaum Fördermittel und präsentieren trotzdem nun schon seit 1988 ein außerordentliches Programm. Ihre Arbeit wurzelt einerseits tief in der Vergangenheit und hält so unsere Filmgeschichte in ihren verschiedensten Facetten wach. Zur Retrospektive Hamburger Filmemacher Cooperative waren Filmer wie Werner Nekes, Helmut Herbst, Wilhelm Hein oder Klaus Wyborny zu Gast. Rainer Komers, Wolfgang Höpfner, der japanische Filmemacher Kô Nakahira oder die Kieler Chaos-Filmgruppe waren den Kinomachern eigene Programme wert. Aber der Blick geht nicht nur zurück, wie beispielsweise auf „Japan im Krieg“ oder „national-bolschewistische Kampflichtspiele“, sondern auch nach vorn. Filmreihen zur Gentrifizierung, über die „Totale Kontrolle“ oder „Architektur und Film“ standen 2015 ebenfalls auf dem Programm.

Kategorie KINO, DAS ZURÜCKBLICKT
Ausgezeichnet werden die Vielfalt und der Ideenreichtum bei der Präsentation von Filmen aus der gesamten Filmgeschichte. Dies umfasst den Einsatz von Stummfilmen, Repertoirefilmen und von Filmen aus unterschiedlichen Ländern der Welt.

Der erste Preis der Kategorie I geht an das Kino 813 in der Brücke (Köln) für ein herausragendes Programm, welches trotz geringer Förderung und allein durch ehrenamtliches Engagement ermöglicht wird und sich reflektiert und ideenreich mit unterschiedlichen Aspekten der internationalen Filmgeschichte auseinandersetzt, sowie für seinen Einsatz um die analoge Aufführungspraxis des Mediums Film vor Ort.
Die zweiten Preise erhalten das Zeughauskino (Berlin) für ein hochwertiges filmhistorisches Programm mit nachhaltigen Reihen und Kooperationen, die Caligari FilmBühne (Wiesbaden) für ihre Akzentuierung des europäischen Films sowie ihr integrativ gestaltetes und häufig barrierefreies Programm, das Filmmuseum Potsdam für seine herausragende Arbeit im Bereich der Vermittlung von Filmgeschichte, auch in Zusammenarbeit mit vielen fachbezogenen Gästen, und die Black Box – Kino im Filmmuseum Düsseldorf für ein fundiertes filmgeschichtliches Programm mit Fokus auf nationale Kinematografien und umfangreiche Retrospektiven.

Kategorie KINO, DAS BILDET
Ausgezeichnet werden nicht nur Angebote, die Kindern und Jugendlichen Film als Kulturgut näher bringen und ihre bisherigen Sehgewohnheiten erweitern möchten, sondern allgemein innovative Vermittlungskonzepte für Jung und Alt.

Die Jury zeichnet das Kinomobil Baden-Württemberg mit dem ersten Preis aus. Der unermüdliche Einsatz des Teams, Kinokultur für Kinder und Jugendliche im ländlichen Raum zugänglich zu machen ebenso wie das vielfältige und spannende Programm überzeugten die Jurymitglieder. Das Kinomobil Baden-Württemberg leistet Pionierarbeit für den Kinogängernachwuchs.
Die zweiten Preise gehen an das Kino des Deutschen Filmmuseums (Frankfurt am Main) für seine dauerhafte und auf hohem Niveau stattfinde Kinoarbeit für Jung und Alt, an das Filmhaus Nürnberg für seine Bildungs- und Kinderfestivals (Filmfestival der Menschenrechte, Little Big Films), an die Kinowerkstatt St. Ingbert für die Förderung des Kino- und Filmnachwuchses wie der Angebote für Senioren, sowie an das Filmforum Höchst (Frankfurt am Main), das ein sehr gutes Kinoprogramm mit hohem Bildungsanteil offeriert.

Kategorie KINO, DAS VERBINDET
Ausgezeichnet werden nachhaltige Kooperationen mit politischen, sozialen und kulturellen Einrichtungen sowie Initiativen für eine gesellschaftliche Teilhabe der Bürger und Bürgerinnen und interkulturelle Kinokonzepte.

Den Hauptpreis erhält das Kommunale Kino Pforzheim dafür, dass es Interaktion und Verständigung nicht nur programmiert, sondern lebt: Filmisch, menschlich und geographisch bringen die Macher Filmkunst kontinuierlich und in schwieriger ökonomischer Lage dorthin, wo Kino sonst nicht zu finden wäre.
Die zweiten Preise gehen an das Kino achteinhalb (Saarbrücken) für die streitfreudige Kommunikation und kontextualisierende Auseinandersetzung mit Film in seinen unterschiedlichsten Facetten, an die Kinothek Asta Nielsen e.V. (Frankfurtam Main) für ihre gesellschaftliche Zusammenarbeit in der Filmkultur und „nomadische Pionierleistung“ bei der Kuratierung der Filmarbeit von Frauen, an das Cinema Quadrat e.V. (Mannheim), das durch kooperative Symposien, Seminare und interkulturelle Ansätze Menschen nicht nur aus der Region zusammenbringt, und an das Kommunale Kino Freiburg e.V. für die dauerhaft herausragende und vielfältig interkulturelle Kooperationsarbeit im Kinoalltag.

Kategorie KINO, DAS WAGT
Die vierte Kategorie des Kinopreises würdigt neue Angebote filmästhetischer Perspektiven, Vorführung von Werken abseits des Mainstreams und verschiedenster Genres, innovative Ansätze in der Programmstruktur und Präsentationsformen.

Den Hauptpreis erhält die Hamburger b-movie Kulturinitiative auf St. Pauli. Sie bestach durch abseitige Themenreihen, Hörspielformate oder „Lost&Found“-Projektionen unabhängiger Werke, die in Hamburg eine Erstaufführung erfahren – oft analog.
Die weiteren Preise gehen an das Kommunale Kino Weiterstadt, das sich seit 40 Jahren in unbewohnte und ungewohnte Gefilde wagt und u.a. das Open Air Festival zu einer Institution gemacht hat und es wagt, niemals Werbung zu zeigen. Das traumakino im Cafe Trauma e.V., Marburg wagt mit einem regelmäßigen Programm aus obskuren, psychotronischen, queeren und stummen Filmen noch ein Stückchen mehr, als andere. Das Zebra-Kino, Kommunales Kino Konstanz e.V., gründete unter seinem Motto „Andere Filme anders zeigen“ das Shivers Genre-Filmfest und zeigt monatliche Mondlicht-Tollheiten. Die Hauptmotivation des Kino ist Programm e.V. aus Bayreuth liegt z. B. mit dem Kinderkinoklub in der Etablierung eines Programmkinos in der Stadt, in der es noch keines gibt.

LOBENDE ERWÄHNUNG
Lobend erwähnen möchten wir den KinoKultur Blankenfelde-Mahlow e.V. für seine integrierende Kinoarbeit und den selbst gesetzten Vermittlungs- und Bildungsauftrag mit zwar wenigen Programmen, aber einem hohen Maß an kulturpolitischer Eigeninitiative.

EHRENPREIS DES KINEMATRHEKSVERBUNDES FÜR DIE VERDIENSTE UM DIE FILMKULTUR UND DAS FILMERBE
Der Ehrenpreis, der erstmals im Rahmen des Kinopreises des Kinematheksverbundes für Verdienste um das Filmerbe und die Filmkultur verliehen wird, geht an Hans-Michael Bock. Mit ihm wird ein wahrer Pionier geehrt, der in seinem Schaffen immer auch die Werke und Filmemacher abseits des Kanons gewürdigt hat. Mit dem Lexikon „CineGraph“ hat er ein Standardwerk geschaffen und sowohl für die filmografische Erfassung wie die biografische Recherche bleibende Maßstäbe gesetzt. Seit 1988 findet der von ihm initiierte Internationale Filmhistorische Kongress in Hamburg statt, aus dem 2004 das gemeinsam mit dem Bundesarchiv-Filmarchiv veranstaltete cinefest hervorgegangen ist. Hans-Michael Bock hat ganz wesentlich dazu beigetragen, dass viel zu lange unbeachtete Filmschaffende, Genres und Produktionsfirmen wieder als unverzichtbarer Bestandteil der deutschen Filmgeschichte wahrgenommen wurden. Für diese Leistung, die sich in vielfältigen Veröffentlichungen niedergeschlagen hat, verleiht ihm der Kinematheksverbund seinen Ehrenpreis.
Die Laudatio auf Hans-Michael Bock wird Jan Distelmeyer, Professor an der Fachhochschule Potsdam und langjähriger CineGraph-Mitarbeiter, halten.

+++

Kontakt: Anke Hahn (Deutsche Kinemathek), T +49 30 300 903-31
Cornelia Klauß (Bundesverband kommunale Filmarbeit), T +49 30 4235164, M +49 163.4235164

 

Kinopreis des Kinematheksverbundes 2015

Dank des kurzfristigen Entschlusses der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien, Monika Grütters, den Kinopreis des Kinematheksverbundes mit Sondermitteln zu finanzieren, kann dieser Preis nun zum sechzehnten Mal von der Deutschen Kinemathek vergeben werden. Mit dem Preis werden Kinos für ihre herausragenden Programme und ihr kontinuierliches Engagement für eine anspruchsvolle und vielfältige Kinokultur in Deutschland gewürdigt.

Der Kinopreis wird am 4. Dezember 2015 im Rahmen des diesjährigen Bundeskongresses der Kommunalen Kinos im Filmmuseum Potsdam vergeben.

Bis zum 2. Oktober konnten sich Kinos aus der gesamten Bundesrepublik in einem aufgrund der engen Terminierung vereinfachten Verfahren anmelden. Die Bewerber sind vor allem Kommunale Kinos, die zum Teil schon seit den 1970er-Jahren existieren und sich seither beständig der Filmkultur widmen. Sie zeigen thematische Filmreihen und umfangreiche Retrospektiven, laden ein zu Gesprächen mit Filmkünstlern, veranstalten Symposien und Festivals, zeigen Stummfilme mit Live-Begleitung und übernehmen Aufgaben der medialen Bildung. Die Kommunalen Kinos werden von den Kommunen und Ländern unterstützt, teilweise allerdings mit alarmierend geringen Mitteln, so dass ohne die Mithilfe von Ehrenamtlichen und Cineasten die Programmarbeit in dieser Qualität nicht realisiert werden könnte.

Eine Jury aus unabhängigen Mitgliedern der Kinobranche wählte die Preisträger aus. Dabei gab es in diesem Jahr keine festgelegten Preiskategorien und -abstufungen. Die Jury entschied, das Preisgeld in Höhe von 25.000 Euro unter einer größeren Anzahl von Kinos aufzuteilen, um die Kommunen auf die Qualität und Wichtigkeit der von ihnen geförderten Kinos hinzuweisen. In ihrer Begründung heißt es: „Mit diesen Preisen verbindet die Jury die Hoffnung, dass die Kommunalverwaltungen – so eng auch die finanziellen Möglichkeiten erscheinen mögen – die engagierte Arbeit ihrer nichtgewerblichen Kinos besser wertschätzen und ihnen mehr finanzielle Unterstützung für die qualitätvolle Arbeit zukommen lassen.“

Ingesamt vergab die Jury je drei gleichwertig dotierte Preise in Höhe von 2.000 Euro in den Rubriken „Kino und Filmgeschichte“, „Kino und Bildung“ sowie „Kino und Gesellschaft“. Sieben Preise zu je 1.000 Euro wurden vergeben in der Kategorie „Kino und Kommunikation vor Ort“. Damit würdigte die Jury programmatische Schwerpunkte in der Kinoarbeit, die den zentralen Aufgaben kultureller Filmarbeit entsprechen: Pflege von Filmgeschichte, Filmvermittlungsarbeit, soziales und politisches Engagement sowie die Wahrnehmung der infrastrukturellen Funktion eines Kinos in seiner Umgebung.

Die Preise wurden vergeben an:

Kino und Filmgeschichte (je 2.000 Euro)
Zeughauskino, Berlin
Das Zeughauskino ist nach wie vor eines der wenigen Kinos, das sich dezidiert der Filmgeschichte widmet. Dabei werden verschiedene Filmgenres (z.B. Industriefilm) miteinbezogen, so dass ungewöhnliche Blicke auf Filmgeschichte ermöglicht werden. Ein höchst informatives und niveauvolles Programmheft sowie eine gut gestaltete, übersichtliche Website bieten einen hervorragenden ersten Eindruck und laden dazu ein, Filme in Werkzusammenhängen zu verstehen.

Filmklub 813, Köln
Dem Filmklub 813 gelingt es, trotz geringer finanzieller Mittel ein absolut einmaliges Programm auf die Beine zu stellen, das von intimer Kenntnis der Filmgeschichte geprägt ist. Dieser Filmclub beleuchtet außergewöhnliche Seitenstränge der Filmgeschichte, so z.B. populäre Filmgenres, die zu Unrecht in Vergessenheit geraten sind, darunter Trashfilme, B-Movies oder frühe Experimentalfilme.

Filmmuseum München
Das Filmmuseum München besticht seit Jahren mit sehr gut konzipierten Programmreihen und umfassenden Retrospektiven, die die internationale Filmgeschichte beleuchten – und sich dabei sehr guter Besucherzahlen erfreuen. Hervorzuheben ist außerdem die qualitätsvolle Präsentation der Kinoarbeit im Programmheft sowie über Facebook und Twitter.

Kino und Bildung (je 2.000 Euro)
Filmhaus Nürnberg
Das Filmhaus Nürnberg hält seit Jahren ein hohes Niveau der Programmgestaltung, die alle Aspekte kultureller Filmarbeit abdeckt. Auch die Angebote für Kinder und Jugendliche beziehen die ganze Bandbreite der Filmgeschichte und unterschiedlicher Kinematographien mit ein. Ein eigenes Leporello für die Kinderveranstaltungen belegt, dass auch die jungen Zuschauer als Besucher ernst genommen werden. Hiervon zeugen nicht zuletzt innovative, partizipative Veranstaltungen wie die erstmalig durchgeführten Kinderfilmtage „Little Big Films“, bei der Kinder das Programm selbst gestaltet haben.

Die Pumpe, Kiel
An einem schwierigen Standort leistet dieses Kino bemerkenswerte Arbeit im Bildungsbereich: Mit den Jugendfilmwochen werden auch junge Erwachsene gezielt angesprochen. Schulkooperationen wie das gewiss einzigartige „CinEscuela“, ein spanischsprachiges Schulkinoprojekt, Filmanalyse-Kurse für Schulklassen sowie die Zusammenarbeit mit der Kieler Universität, in deren Rahmen Studierende Filmreihen konzipieren, setzen innovative Akzente.

mon ami, Weimar
Die Angebote für Kinder und Jugendliche zeichnen das mon ami besonders aus, gehen sie doch weit über das klassische Kinderkino hinaus und erfreuen sich großer Resonanz. Zu erwähnen sind insbesondere die Filmprogramme für die Kleinsten in der Reihe „Kita-Kino“, die Angebote von „Lernort Kino – Schule des Sehens“ sowie die Filmseminare zu besonderen Filmreihen, wie im vergangenen Jahr zum Ersten Weltkrieg oder mit Kinodramen nach Shakespeare.

Kino und Gesellschaft (je 2.000 Euro)
Gesellschaften sind facettenreich – und das kann Kino auch sein. Am besten repräsentieren dies die Off-Spielstätten B-Movie in Hamburg, Kino im Sprengel aus Hannover und die naTo in Leipzig. In den gezeigten Filmen werden die Ränder der Gesellschaft nicht ausgespart, Politisches wird thematisiert und Film im besten Sinne als Medium des Verstehens von Kultur und Gesellschaft behandelt.

B-Movie, Hamburg:
Das kollektiv betriebene Stadtteil-Kino zeigte auch im vergangenen Jahr konsequent randständiges Kino: vernachlässigte Genres wie z.B. „Mumblecore“, Underground-Filmemacher (Jörg Buttgereit, Bruce LaBruce) oder „Heimatfilme“ aus St. Pauli. Letztere spiegeln das Selbstverständnis des B-Movie-Teams, im und für den Stadtteil aktiv zu sein, Themen und Probleme „vor der Haustür“ filmisch zu reflektieren.

Kino im Sprengel, Hannover
Auch das Kino im Sprengel wird kollektiv betrieben und versteht sich dezidiert politisch. Dabei wird das Politische nie nur als „Thema“ aufgegriffen, sondern immer filmisch gedacht. Reihen zum Urbanismus, zum Fischfang oder zu Ritualen schließen Experimentelles und Abseitiges mit ein. Archivausgrabungen gehören ebenso zum Programm wie Klassiker des unabhängigen Kinos.

Cinémathèque in der naTo, Leipzig
„Ästhetisch wach und politisch verantwortungsbewusst“ – so versteht sich die Cinémathèque Leipzig. Diese Position spiegelt sich in Filmreihen wie „Mythos Freiheit: Gefängnis und Demokratie“ oder „Avantgarde ist keine Strömung“ wider. Besonders hervorzuheben sind die Monatsprogrammkarten, die ungewöhnlich und ansprechend gestaltet sind.

Kino und Kommunikation vor Ort (je 1.000 Euro)
Trauma, Marburg: Präsentation ungewöhnlicher Filme für ein junges Publikum.
Kommunales Kino, Rendsburg: Ein engagiertes Kino an einem mehr als schwierigen Ort.
Cinemayence, Mainz: Unter schwierigen finanziellen Bedingungen wird ein sehr engagiertes Programm gemacht mit vielen Diskussionsveranstaltungen, die das Publikum einbeziehen.
8 ½ Saarbrücken: Für ein gleichbleibend gut durchdachtes Programm mit beeindruckend vielen Kooperationen.
Kommunalkino City 46, Bremen: Insbesondere für die innovative Filmbildungsarbeit und die Kooperation mit der Universität.
Kommunales Kino, Lübeck: Trotz geringer finanzieller Ausstattung bietet das Kino an einem schwierigen Standort alternatives Programm mit filmpädagogischen Angeboten.
Kommunales Kino im alten Wiehrebahnhof, Freiburg: Für ein seit Jahren hervorragendes Programm, das insbesondere mit seinen Filmreihen zu gesellschaftlichen Themen punktet.

Jury
Stefanie Eckert (Kinematheksverbund), Birgit Gamke (AG Verleih), Angela Haardt (Bundesverband
kommunale Filmarbeit), Gunter Hanfgarn (AG Dokumentarfilm), Rosemarie Schatter (Verband der
deutschen Filmkritik).

 

Pressemitteilung & Jury-Begründungen 2014(als pdf)