Repertoire

Vom „Grand Café“ zu „Griffith“

Ein 16mm-Filmprogramm zu den Anfängen des Kinos

„Es gibt Menschen, die nie in Kinemas gehen. es gibt auch Menschen, die nie ins Bad gehen. Beide Sorten sind mir höchst unsympatisch.“ (Hanns Heinz Ewers)

Am Anfang ist das Kino männlich und heißt der Kino bzw. Kinema als Abkürzung für der Kinematograph, wie die Brüder Lumière ihre epochale Erfindung nennen. Ebenso unbekannt wie das „Geschlecht“ des Kinos sind vielen auch die ersten 15 Jahre seiner Geschichte. Zum einen gilt der größte Teil dieser Pionierzeit als verloren, zum anderen werden internationale Titel dieser Epoche nur von wenigen deutschen Einrichtungen archiviert.

Der Bundesverband kommunale Filmarbeit hat deshalb auf vielfachen Wunsch ein 16mm-Filmprogramm zusammengestellt, wobei viele Kopien aus den USA beschafft werden mußten. Orientierungspunkt war das gleichnamige, von Kai Gottlob aus Archivbeständen des filmforum Duisburg realisierte Programm.

Die Raritäten des Programms vermitteln die Grundlagen, nach denen Film/Kino heute noch funktionieren: Dokument (Linie ‚Lumière‘) vs. Fiktion (Linie ‚Méliès), Erotik (Thomas Edisons „The Kiss“), erster Spielfilm und Komödie/Burleske („Der begossene Rasensprenger“), mise en scène und Filmtricks („Die Reise zum Mond“), erster Western (Edwin Porters „The great train robbery“), Parallelmontage mit Rettung in letzter Minute („The lonely villa“ von David W. Griffith), Verbindung von Dokumentarischem mit Inszeniertem (Porters „The life of an american fireman“) …

Höhepunkte des Programms sind zudem der deutsche Filmpionier Oskar Messter, der 1934 rückblickend über die ‚Uranfänge des Films‘ spricht und seine ersten Tonfilme (Tonbilder genannt) präsentiert; weiter der Méliès-Film „Die Reise durch das Unmögliche“, der in einer kolorierten Fassung vorliegt; in Porters „Uncle Josh at the Moving Picture Show“ wird das Kino selbst zum Thema – die Selbst-Reflexion des Mediums beginnt also schon sehr früh; schließlich können wir Mary Pickford und Mack Sennett als Darsteller in „The lonely villa“ bewundern.